Eine Feier in den Bergen

verfasst von Anja, Mama von Nora und Livia

An Noras großem Tag begrüßt uns strahlender Sonnenschein. Ein wahres Wunder, nachdem wir eine Woche zuvor noch gebangt haben, ob der Schnee bei der kleinen Insteinkapelle, unserem erwählten Ort für die Feierlichkeiten, wohl noch schmelzen würde. Frohgemut treten wir gemeinsam die 1 ½ stündige Wanderung an.
Wir sind eine lustige und sehr bunte Truppe aus Familienmitgliedern und guten Freundinnen und Freunden -der Großteil kennt sich noch nicht, die Alterspanne reicht von 0 – 96 Jahre und wir stammen aus den unterschiedlichsten Teilen Österreichs – doch dies scheint sehr nebensächlich, denn das heutige Ereignis bringt eine besondere Atmosphäre des Begegnens mit sich.

Die bereits im Vorfeld liebevoll geschmückte Kapelle liegt idyllisch zwischen den Berghängen. Bauernkrapfen und Sekt laden bis alle Gäste eingetrudelt sind zu einer kurzen Stärkung vor der Zeremonie ein. Ein paar Leute haben bereits Platz genommen und studieren den bereits ausgelegten Ablauf. Es liegt eine gespannte Erwartung in der Luft, denn niemand weiß so recht, was nun auf uns zukommt. 

Die Zeremonie startet mit dem gemeinsamen Lied „In deinem Namen wollen wir“. Unsere Ritualbegleiterin Susanne begrüßt die Gäste und erklärt kurz den Ablauf der Feier, dann sind mein Partner und ich an der Reihe um einige Worte über unsere Tochter und über die Bedeutung ihres Namens zu sagen. Die kleine Nora Ellareen sieht die Menge mit großen Augen und aufmerksamen Gesichtsausdruck an, so als ob sie mit ihren drei Monaten bereits genau wüsste, dass es nun um sie geht. Sie hört interessiert zu wie ihre beiden Eltern ihr schließlich die berührende Ballade „If I needed you“ vorsingen.
 Auf erheiternde Art und Weise erzählt schließlich meine Schwester von Noras durchaus amüsanten Start ins Leben. 

Im rituellen Teil werden die Großeltern und Urgroßeltern, sowie Tanten und Onkel dazu aufgefordert, sich in einem Kreis um unser kleines Wunder zu versammeln. Susanne erklärt, dass nun jeder auf seine Art und Weise dem Kind ein Zeichen, liebevolle Worte, ein kleines Gebet oder eine freundliche Geste mit auf den Weg geben dürfe.

Gemeinsam mit Opa singen wir das vierstimmige Stück „In this heart“ und Maria liest einen Text aus der Tiefe ihres Herzens für ihr erstes Urenkelkind. Der „ewige Kreis“ aus  „König der Löwen“ rundet den Programmpunkt schließlich ab.
Nun ist meine beste Freundin und Noras Lebenspatin an der Reihe. Sie hat ihr ganz besonderes Instrument, die Körpertambura, mitgebracht. Damit wurde ich bereits vor und während Noras Geburt bespielt und die tiefenentspannende Wirkung zeigt sich auch jetzt sogleich, als die studierte Musiktherapeutin unser Baby in die sanfte Wölbung des Instrumentes legt und zu spielen beginnt. Die harmonischen Klänge faszinieren sowohl Nora als auch den Rest der Anwesenden. 

Zum Abschluss überreicht Noras Patin ihrem Schützling eine kleine Kette mit einer Baumscheibe zum Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit. An die Symbolik des Baumes anknüpfend bringen nun Noras Onkel und Tanten Elemente, die zum Wachsen benötigt werden. Ein kleines Kirschbäumchen steht zu diesem Zwecke bereit, es soll später in Omas Garten eingepflanzt werden. Dazu mischt jeder seine ganz persönliche Zutat und als ich in die Augen der berührten Anwesenden blickte, sehe ich da und dort sogar ein Tränchen des Glücks die Wange hinunterkullern.

Ein Text über das Leben, gelesen von Oma, sowie eine umgetextete Version von Xavier Rudds „Messages“ runden die Zeremonie schließlich ab. Nach einem kurzen Meditationstext und dem gemeinsamen Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ bringt uns Noras Opa noch ein humorvolles Gedicht zum Abschluss.
Beim Auszug werden wir zur Versüßung des Lebens sogar noch mit Blumen und Zucker bestreut, was alle zum Lachen bringt. Eine glückselige Stimmung, welche in Worten kaum auszudrücken ist, begleitet uns auf unserem Weg in die Dolomitenhütte, meinem Lieblingsgasthaus inmitten eindrucksvoller Berghänge.

Wir speisen fantastisch und mit Kennenlernspielen und Gitarrenmusik wird für Unterhaltung gesorgt. Wir genießen die herrliche Aussicht und singen, plaudern und lachen gemeinsam bis spät in die Nacht hinein. 


 Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich mir unsere Namensgebungsfeier nicht schöner hätte vorstellen können. So persönlich, berührend und gemeinschaftlich hätte eine klassische Taufe wohl nie sein können. Auch das positive Feedback der Eingeladenen war überschwänglich und es war schnell klar, dass diese Namensgebungsfeier wohl nicht die einzige im Familien- und Freundeskreis bleiben sollte.